Einstufungen und Poker-Glossar

RANGE//REF Poker Strategy Suite — was jede Aussage der Apps wert ist, und was die Fachbegriffe bedeuten.

Stand: 11.08.2026 · Erfasste Apps: BDNLH, ICM-Kalkulator, RANGE//REF (Range-Engine), M//ZONE Advisor
Alle App-Texte sind aus dem Quellcode entnommen, nicht nachformuliert. Fundstellen stehen jeweils dabei.

1Warum es Einstufungen gibt

Der Grundgedanke in einem Satz.

Der größte Schaden entsteht nicht durch eine fehlende Analyse, sondern durch eine Faustregel, die wie ein Rechenergebnis aussieht. Wer einmal merkt, dass ein „du hättest folden müssen" auf einer Heuristik beruhte, glaubt auch den exakten Zahlen nicht mehr.

Deshalb trägt jede Aussage der Apps ein Etikett, das sagt, worauf sie beruht. In BDNLH ist das technisch erzwungen: Ein Befund ohne gültige Einstufung lässt sich gar nicht erzeugen — der Konstruktor wirft.

const msg = `Befund ohne gültige basis: ${JSON.stringify(f && f.findingCode)}`;

apps/bdnlh/src/bdnlh_findings.js — der einzige Weg, einen Befund zu erzeugen, erzwingt die Pflichtfelder.

Die Formulierungsregel dazu: Nur EXAKT darf urteilen. Befunde mit FAUSTREGEL stehen nie im Urteilsindikativ — „spricht dafür, dass", nicht „war ein Fehler". Ein eigener Testlauf prüft 1.457 Textbausteine gegen sieben Verbotsmuster.

2Die fünf Einstufungen in BDNLH

Wortlaut und Farbe, wie sie in der App hinterlegt sind.

Über der Analyse steht dauerhaft die Legende:

Einstufungen: EXAKT SIMULIERT SOLVER-REFERENZ FAUSTREGEL ANNAHME

Von links nach rechts nimmt die Verlässlichkeit ab: EXAKT ist gerechnet, ANNAHME ist gesetzt.

Die hinterlegten Erklärtexte

Jedes Etikett trägt einen Tooltip. Beides steht in bdnlh_findings.js in der Tabelle BASIS:

SchlüsselEtikettHinterlegter ErklärtextWoher die Zahl kommt
exakt EXAKT Geschlossene Arithmetik — das Ergebnis steht fest. Pot-Odds, MDF, Alpha, SPR, ICM bis 7 Spieler, exakte Turn- und River-Enumeration
simuliert SIMULIERT Monte-Carlo-Schätzung mit beziffertem Fehler. Equity preflop und am Flop; ICM ab 8 aktiven Spielern. Die Toleranz steht am Etikett („± 0,39 pp") und wird von der Engine geliefert, nicht geschätzt.
solver SOLVER-REFERENZ Lookup in den hinterlegten Solver-Ranges. Der Preflop-Range-Abgleich (M1). Nominal 6-max, 100 BB, ohne Ante.
faustregel FAUSTREGEL Heuristik, kein Solver-Ergebnis — als Richtung lesen. Stack-, Straddle-, Ante- und Spielstil-Korrekturen; Harrington-Zonen
annahme ANNAHME Beruht auf einer Setzung von dir oder einem Default. Villain-Range, bestätigte Vorschläge, Dead Money, synthetische Payout-Leitern
Zur Reihenfolge: Die Stufen sind keine Notenskala. Eine SOLVER-REFERENZ ist nicht „schlechter" als EXAKT, sondern etwas anderes: Sie ist ein Nachschlagen in einer fremden Rechnung statt einer eigenen. Die Achse ist Nachprüfbarkeit, nicht Güte.

3Einstufungen in den übrigen Apps

Bewusst weniger Stufen — jede App unterscheidet nur, was sie wirklich unterscheiden kann.

RANGE//REF (Range-Engine) — zwei Zustände

Die App zeigte früher unbedingt „Solver-basiert", auch wenn Korrekturen angewandt waren. Das versprach mehr, als sie hielt. Heute steht rechts oben:

AnzeigeBedeutung
Solver-Referenz Die gezeigte Range ist die unveränderte Solver-Range.
Faustregel — korrigiert: … Eine oder mehrere Korrekturen haben das Ergebnis verändert. Der Untertitel listet sie auf: Stack, Straddle, Ante, Stil.
Der entscheidende Feinsinn: Geprüft wird nicht, ob eine Korrektur läuft, sondern ob sie etwas verändert hat. Über 7.650 gemessene Fälle laufen 514 Korrekturen ins Leere — dort bleibt es korrekt bei „Solver-Referenz". Ohne diesen Vergleich hätte die App sich schlechter dargestellt, als sie ist.

ICM-Kalkulator — zwei Zustände

AnzeigeHinterlegter ErklärtextWann
Exakt Geschlossene Rekursion über alle Platzierungen — kein Zufall im Ergebnis. bis 7 aktive Spieler
Simuliert Monte-Carlo mit nk Durchläufen (ab 8 aktiven Spielern). ab 8 aktiven Spielern

Eine Toleranz in Prozentpunkten wird hier bewusst nicht beziffert, solange sie nicht gemessen ist. Lieber „Simuliert" ohne Zahl als eine erfundene.

Wer kennt was

AppEXAKTSIMULIERTSOLVER-REF.FAUSTREGELANNAHME
BDNLHjajajajaja
ICM-Kalkulatorjaja
RANGE//REFjaja
M//ZONEkeine Etiketten; die Zonen selbst sind erklärtermaßen Faustregeln

4Zusatzvermerke: Näherung, Schweigen, Herkunft

Ein Etikett allein reicht nicht immer. Drei Ergänzungen, alle in BDNLH.

Die Näherung — wenn die Range nicht positionsgenau ist

Für manche Spots gibt es keine eigene Range, wohl aber eine brauchbare stellvertretende. Dann bleibt die Einstufung SOLVER-REFERENZ, aber die Aussage sagt selbst, dass sie genähert ist, und ein kursiver Vermerk nennt die Herkunft:

Die Referenz spielt T9s aus LJ als Raise, du hast Call gewählt. Die herangezogene Range ist allerdings nicht für diese Position gerechnet, sondern genähert.

Nicht positionsgenau: Für LJ gegen Limper ist keine eigene Range hinterlegt. Gerechnet wird mit der Isolations-Range des Cutoffs — sie steht hier stellvertretend. Aus früherer Position sitzen mehr Spieler hinter dir, die richtige Range ist dort enger als die gezeigte.

Für 9-max gilt dasselbe Muster mit dem Vermerk „9-max über 6-max-Basis genähert". Wichtig ist die Fehlerrichtung im Text: Der Nutzer erfährt nicht nur dass genähert wurde, sondern in welche Richtung die Näherung danebenliegt.

Das Schweigen — wenn kein Etikett mehr hilft

Es gibt Lagen, in denen auch eine gekennzeichnete Näherung falsch bliebe. Dann schweigt das Modul. Drei Sperren:

Der Text im dritten Fall erklärt die Begründung ausdrücklich:

Für diesen Spot liegt keine Referenz vor. Für die Verteidigung gegen eine Eröffnung sind nur die Blinds mit einer eigenen Range hinterlegt. Für die Plätze davor müsste eine Range aus einer anderen Situation herhalten — die, mit der ein Eröffner gegen eine 3-Bet weiterspielt. Dort bedeutet dieselbe Angabe etwas anderes: Ein Raise ist dort eine 4-Bet, kein Einstieg in die Hand. Eine solche Range gekennzeichnet zu zeigen würde die Empfehlung nicht richtiger machen. Deine Aktion bleibt deshalb hier unbewertet; Pot und Preis stimmen trotzdem.

In allen Fällen gilt: Erfasst wird die Hand vollständig — ausgewertet wird nur, wofür es eine belastbare Referenz gibt. Pot-Odds und Preis rechnen weiter, denn dafür braucht es keine Range.

Die Herkunft in der Filterkette

Postflop verengt sich die Villain-Range Schritt für Schritt. Jeder Schritt trägt seine Herkunft und ist einzeln rückgängig zu machen:

ArtBeispielVerlässlichkeitAutomatisch?
cardRemovalBoard As Kh 7d + Hero AhAd → betroffene Combos raus mathematisch zwingendja
showdownVillain zeigt K7o exakt, kollabiert auf eine Comboja
suggestedNarrow„Nur gelimpt — Premiums abgewertet" Deutung, ANNAHMEnein, nur nach Bestätigung
userNarroweigene Auswahl im 13×13-Raster Setzung des Nutzersnein
Warum die Automatik so schmal ist: Automatisch verengt wird ausschließlich das mathematisch Zwingende. Es gibt keine Aktionsregel, die die Faustregel „was in einem Standard-Pool falsch wäre, gehört nicht in die Automatik" übersteht — schon „nur gelimpt, also kein AA" ist in einem schwachen Live-Pool falsch, weil die Limp-Trap dort Standardrepertoire ist.

Der Vorschlagskatalog

Vier kuratierte Vorschläge, die erst nach einem Tap wirken. Zwei Regeln: Sie entfernen nie auf null, sondern werten auf halbes Gewicht ab — und jeder Text nennt die Gegenhypothese.

AuslöserWirkungGegenhypothese im Text
Villain hat nur gelimptAA, KK, QQ, AKs, AKo auf Gewicht 0,5 aber Limp-Traps existieren, gerade in schwachen Live-Pools
Cold-Call statt 3-BetAA, KK auf Gewicht 0,5 aber wer die Hand versteckt halten will, callt auch mit AA
Preflop-Aggressor checkt zweimalOverpairs auf Gewicht 0,5 Slowplay bleibt drin, deshalb halbes Gewicht statt Löschung
Große Bet auf trockenem Boardreine Air-Kandidaten auf Gewicht 0,5 aber Polarisierung heißt gerade, dass Luft dabei ist

5Glossar I — Preis und Gleichgewicht

Die Begriffe, die in den Befunden mit EXAKT auftauchen.

Equity — Anteil am Pot
Der Anteil des Pots, der einer Hand „gehört", wenn alle verbleibenden Karten ausgeteilt würden und niemand mehr foldet. Eine Hand mit 40 % Equity gewinnt in vier von zehn Fällen. In den Apps: Preflop und am Flop per Monte-Carlo geschätzt (SIMULIERT mit Toleranz), ab dem Turn exakt durchgezählt (EXAKT).
Pot Odds — der Preis
Das Verhältnis zwischen dem, was man gewinnen kann, und dem, was man zahlen muss. Meist als „x zu 1" angegeben: „4,3 zu 1" heißt, der Pot zahlt das 4,3-fache des Einsatzes. Verhältnis = gewinnbarer Pot ÷ zu zahlender Betrag
Benötigte Equity — Required Equity, Break-Even-Equity, BE-EQ
Der Equity-Anteil, ab dem ein Call gerade nicht mehr verliert. Unterhalb davon kostet der Call Geld, oberhalb bringt er welches. benötigte Equity = Call ÷ (Pot nach dem Call) Beispiel: Pot 3 BB, Call 1 BB → 1 / 4 = 25 %. In den Apps: BDNLH nennt sie im M4-Befund; der ICM-Kalkulator zeigt sie als BE Equity. Achtung — im ICM ist es die Break-Even-Equity unter ICM-Bewertung, nicht die reine Chip-Rechnung. Die reine Chip-Variante steht dort daneben als chipEV BE.
MDF — Minimum Defence Frequency, Mindest-Verteidigungsfrequenz
Der Anteil seiner Range, den ein Verteidiger mindestens weiterspielen muss, damit eine Bet des Gegners nicht allein durch das Folden profitabel wird. Foldet man häufiger, ist jede beliebige Karte als Bluff profitabel. MDF = Pot ÷ (Pot + Bet) In den Apps: BDNLH, M4 postflop. Der Befund nennt die Zahl, urteilt aber nicht — MDF ist eine Gleichgewichtsgröße, keine Vorgabe für eine einzelne Hand. Gegen einen Gegner, der nie blufft, ist Unterschreiten korrekt.
Alpha — nötige Fold-Equity einer Bluff-Bet
Der Anteil, mit dem der Gegner folden muss, damit eine Bluff-Bet sich allein durch das Folden rechnet. Das Gegenstück zur MDF. Alpha = Bet ÷ (Pot + Bet)  ·  Alpha = 1 − MDF Beispiel: Halbe Pot-Bet → Alpha = 0,5 / 1,5 = 33,3 %; MDF = 66,7 %. In den Apps: BDNLH zeigt beide nebeneinander; ihre Summe ist immer 100 % — das ist im Testlauf festgenagelt.
SPR — Stack-to-Pot Ratio
Verbleibender Stack im Verhältnis zum Pot. Er sagt, wie viel Spielraum die Hand noch hat: Ein niedriger SPR bedeutet, dass die Hand schnell für den ganzen Stack gespielt wird. SPR = verbleibender Stack ÷ Pot In den Apps: BDNLH rechnet gegen den Reststack, nicht gegen den Startstack — nach einem Call ist weniger übrig, und genau das ist die entscheidende Größe. Drei Bänder mit hinterlegtem Text:
  • niedrig (bis 3): „Bei diesem SPR ist die Hand schnell für den ganzen Stack — ein Top-Paar reicht hier oft schon zum Commitment."
  • mittel (bis 6): „Bei diesem SPR bleibt eine Street Spielraum, aber nicht zwei."
  • hoch (darüber): „Bei diesem SPR bleibt Spielraum über mehrere Streets — Implied Odds wiegen schwerer als reine Pot-Odds."
Implied Odds
Die Erweiterung der Pot-Odds um das, was man in späteren Runden noch gewinnen kann, wenn die Hand trifft. Rechtfertigt Calls, die nach reinen Pot-Odds knapp verlieren — setzt aber voraus, dass genug Stack übrig ist und der Gegner zahlt.
EV — Expected Value, Erwartungswert
Der durchschnittliche Ertrag einer Entscheidung über viele Wiederholungen. „EV-Verlust" heißt: Diese Entscheidung bringt weniger ein als die beste verfügbare Alternative. Wichtig für BDNLH: Postflop gibt es in der Suite keine Referenzstrategie. Die messbare Größe heißt deshalb ausdrücklich „EV-Verlust gegen die angenommene Range" — nie „Abweichung vom perfekten Spiel".
Additivität — warum Prozente nicht addiert werden
Equity-Verluste in Prozent dürfen nicht summiert werden: 5 % preflop und 5 % am Flop sind nicht 10 %, weil die Bezugsgrößen verschieden sind. Additiv ist nur der EV-Verlust in Chips. Die Apps summieren deshalb ausschließlich BB beziehungsweise chipEV und $EV; Equity-Prozente stehen pro Entscheidung und werden nie aufaddiert.

6Glossar II — Turnier

M, Q, ICM und was daran hängt.

M — M-Ratio, nach Paul Magriel / Dan Harrington
Wie viele Umläufe man sich leisten kann, ohne eine Hand zu spielen. Misst den Zeitdruck. M = Stack ÷ Startpot  (Startpot = SB + BB + Ante) In den Apps: M//ZONE und BDNLH rechnen identisch — BDNLH hat die Formel verbatim übernommen, und ein Testlauf vergleicht 1.200 Fälle gegen die Zone-App. Ändert eine der beiden Apps die Regel, fällt der Test.
Harrington-Zonen
Fünf Bänder, die dem M einen Handlungsdruck zuordnen.
ZoneMSinngemäß
Grüne ZoneM ≥ 20voller Spielraum
Gelbe ZoneM 10–19Auswahl wird enger, Spekulatives wird teuer
Orange ZoneM 6–9Push-or-Fold rückt näher
Rote ZoneM 1–5im Wesentlichen Push-or-Fold
Dead ZoneM < 1nur noch die Blinds abwarten
Einstufung: FAUSTREGEL — ein Handlungsdruck-Raster, keine Vorgabe für eine bestimmte Hand.
Q — Q-Ratio
Der eigene Stack im Verhältnis zum Durchschnittsstack aller verbliebenen Spieler. Q = 1,0 heißt genau Durchschnitt, 0,5 halb so viel, 2,0 doppelt so viel. Q = Stack ÷ Durchschnittsstack M und Q messen Verschiedenes: M sagt, wie lange man warten kann; Q sagt, wo man im Feld steht. Beides kann auseinanderfallen — sind alle tief, hat man bei M 8 vielleicht trotzdem ein Q von 1,5. Ohne Durchschnittsstack bleibt Q ausdrücklich offen; eine 0 wäre dort keine Messung, sondern eine fehlende Angabe.
ICM — Independent Chip Model
Rechnet Chipstacks in Preisgeld-Erwartung um. Der Kern: Chips im Turnier sind nicht linear wertvoll — der zehnte gewonnene Chip bringt weniger, als der zehnte verlorene kostet, weil das Ausscheiden das Preisgeld auf null setzt. ICM schätzt für jeden Stack die Wahrscheinlichkeit jeder Platzierung und gewichtet damit die Auszahlungen. In den Apps: Bis 7 aktive Spieler exakt durch Rekursion über alle Platzierungen (EXAKT), darüber Monte-Carlo (SIMULIERT). Die Summe aller ICM-Werte ergibt immer den Preispool — das ist als Invariante geprüft.
chipEV und $EV
chipEV misst den Erwartungswert in Chips, $EV in Preisgeld. Im Cash Game sind beide dasselbe; im Turnier driften sie auseinander, und genau das ist die Einsicht, die ICM sichtbar macht: Ein Call kann in Chips gewinnen und in Preisgeld verlieren. In den Apps: Bei Turnieren stehen beide Zahlen nebeneinander, nie nur eine.
ICM-Druck — ICM Pressure
Die Differenz zwischen der Break-Even-Equity unter ICM und der reinen Chip-Break-Even-Equity. Ein positiver Wert heißt: Man braucht mehr Equity als die reine Chip-Rechnung nahelegt, weil das Ausscheiden Preisgeld kostet. ICM-Druck = BE-Equity(ICM) − BE-Equity(Chips), in Prozentpunkten
Bubble, ITM, Pay-Jump
Bubble ist die Phase kurz vor den bezahlten Plätzen — dort ist der ICM-Druck am größten. ITM („in the money") heißt, ein bezahlter Platz ist erreicht. Ein Pay-Jump ist der Sprung zur nächsthöheren Auszahlung; je näher er ist, desto teurer wird das Risiko.
Ante und BB-Ante
Ein Zwangseinsatz zusätzlich zu den Blinds. Klassisch zahlt ihn jeder Spieler; bei der verbreiteten BB-Ante zahlt ihn nur der Big Blind, in Höhe eines Big Blinds. Antes vergrößern den Startpot und senken damit das M — sie erhöhen den Handlungsdruck. In den Apps: Vorgabe nach der Suite-Konvention — ab 7 Spielern eine volle BB-Ante, darunter eine halbe. Bei 9-max ergibt das einen Startpot von 2,5 BB, bei 6-max 2,0 BB.

7Glossar III — Ranges und Postflop

Range
Die Menge aller Hände, die ein Spieler in einer bestimmten Situation haben kann — nicht eine einzelne Hand. Range-Denken heißt, gegen diese Menge zu spielen statt gegen eine Vermutung. Technisch: eine Zuordnung von Handschlüssel zu Gewicht zwischen 0 und 1.
Combo — Kombination
Eine konkrete Zwei-Karten-Kombination. Eine Handklasse steht für mehrere Combos: Paar = 6 Combos · suited = 4 · offsuit = 12 Alle 169 Klassen zusammen ergeben 1.326 Combos. Eine Range mit 25 % der Hände hat also rund 332 Combos.
suited / offsuit
AKs — beide Karten in derselben Farbe. AKo — verschiedene Farben. Paare tragen kein Kürzel (QQ).
Gemischte Aktionen — mixed strategy
Solver spielen manche Hände nicht immer gleich, sondern mit einer Frequenz. Die Notation in unseren Daten: mr:60 → in 60 % der Fälle Raise, sonst Fold
mc:40 → in 40 % der Fälle Call, sonst Fold
In den Apps: Die Combo-Zahl und der Prozentwert rechts oben sind frequenzgewichtet. Im Raster zeigt die Deckkraft der Zelle die Frequenz — eine kräftige Zelle wird häufiger gespielt als eine blasse. Der genaue Wert steht in der Detailleiste beim Antippen.
Card Removal und Blocker
Jede bekannte Karte verkleinert die Möglichkeiten der Gegner. Hält man selbst ein Ass, sind nur noch drei übrig — die Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner Asse hat, sinkt. Eine Karte, die genau die Hände blockiert, die man fürchtet, heißt Blocker. In den Apps: Card Removal ist der einzige Filter neben dem Showdown, der automatisch greift — er ist mathematisch zwingend, keine Deutung.
Board, Street, Runout
Das Board sind die Gemeinschaftskarten. Die Streets sind Preflop, Flop (drei Karten), Turn (vierte), River (fünfte). Ein Runout ist eine mögliche Fortsetzung des Boards. Rechnerisch: Am River ist nichts mehr zu ziehen — die Equity lässt sich exakt durchzählen. Am Turn bleibt eine Karte, also einige Dutzend Runouts, auch das noch exakt. Am Flop sind es zu viele, dort wird simuliert.
Showdown
Das Aufdecken der Karten am Ende. Wer die gegnerische Hand gesehen hat, besitzt die schärfste denkbare Information — die Range kollabiert auf eine einzige Combo. Wichtig: Die gezeigte Hand tritt neben die Range, nicht an ihre Stelle. Die Entscheidung wird gegen die Range bewertet, das Ergebnis gegen die gezeigte Hand. Wer das zusammenwirft, trainiert Ergebnisorientierung.
Multiway und Dead Money
Multiway heißt: mehr als zwei Spieler im Pot. Dead Money sind Chips im Pot von Spielern, die nicht mehr mitspielen — sie erhöhen den Gewinn, ohne dass jemand sie noch verteidigt. In den Apps: Es werden höchstens drei Villains modelliert. Weitere Mitspieler gehen als Dead Money ein — ihre Einsätze zählen im Pot, ihre Karten nicht. Der Befund trägt dann ANNAHME mit Hinweis.
Boardtextur — trocken und nass
Ein trockenes Board bietet wenige Draws (etwa K72 in drei Farben), ein nasses viele (etwa JT9 zweifarbig). Auf nassen Boards ändern sich Ranges schneller. Stand heute: BDNLH bewertet die Boardtextur noch nicht automatisch — der entsprechende Vorschlag muss von Hand ausgelöst werden.

8Glossar IV — Aktionen und Positionen

Positionen
In Reihenfolge des Handelns vor dem Flop:
KürzelNameBemerkung
UTGUnder the Gunhandelt preflop als Erster
UTG+1, UTG+2nur am 9er-Tisch
LJLojacknur am 9er-Tisch
HJHijack
COCutoffdirekt vor dem Button
BTNButtonpostflop immer als Letzter dran
SBSmall Blindheads-up zugleich der Button
BBBig Blindpreflop als Letzter dran
Heads-up ist die Ausnahme: Dort handelt der SB preflop zuerst und postflop zuletzt — die umgekehrte Reihenfolge zum vollen Tisch.
RFI — Raise First In
Die erste Erhöhung einer Hand: Alle vor einem haben gefoldet, man eröffnet.
vsRFI
Man sitzt hinter einem Eröffner und entscheidet, ob man mitgeht — die Verteidigung gegen eine Eröffnung.
3-Bet, 4-Bet
Die Blinds gelten als erste „Bet". Die Eröffnung ist damit die 2-Bet, die Re-Raise darauf die 3-Bet, die nächste die 4-Bet. Datenlage: Für 4-Bet-Spots gibt es keine hinterlegten Ranges. Sie werden erfasst — für spätere Spielerprofile —, aber nicht bewertet.
Limp und Isolation
Limpen heißt, nur den Big Blind zu bezahlen statt zu erhöhen — meist ein Zeichen für einen schwächeren Spieler. Eine Isolations-Erhöhung („Iso") zielt darauf, mit dem Limper allein zu bleiben.
Straddle und Re-Straddle
Ein freiwilliger Blind-Einsatz vor dem Austeilen, meist das Doppelte des Big Blinds. Er vergrößert die Pots und verschiebt die effektiven Stacktiefen nach unten (in BB gerechnet). Einstufung: Die Anpassung der Ranges an einen Straddle ist eine FAUSTREGEL, kein Solver-Ergebnis.
Effektiver Stack
Der kleinere der beiden beteiligten Stacks — mehr kann in einer Hand nicht verloren oder gewonnen werden. Alle Stack-abhängigen Aussagen beziehen sich darauf.
Solver und GTO
Ein Solver berechnet eine Strategie, gegen die kein Gegner einen Vorteil findet — das GTO-Gleichgewicht („game theory optimal"). Solver-Ranges sind nicht „die beste Antwort auf diesen Gegner", sondern die unausnutzbare Grundlinie. Grenze der Suite: Solver-Ranges liegen nur preflop vor. Postflop gibt es keine Referenzstrategie — deshalb dort die Sprachregelung „EV-Verlust gegen die angenommene Range".
Exploit
Die bewusste Abweichung vom Gleichgewicht, um eine Schwäche eines konkreten Gegners auszunutzen. Bringt mehr als GTO, wenn die Einschätzung stimmt — und kostet, wenn nicht. In den Apps: fünf Archetypen (Calling Station, Maniac, Nit, TAG, LAG) mit einstellbarer Ausprägung. Immer FAUSTREGEL.
VPIP und PFR
Kennzahlen zum Spielstil: VPIP ist der Anteil der Hände, in die ein Spieler freiwillig Geld gibt, PFR der Anteil, in dem er preflop erhöht. Warum die Apps sie nicht berechnen: Beide stabilisieren sich erst bei mehreren hundert Händen. Eine Handanalyse-App sammelt realistisch 10 bis 50 Hände pro Gegner — eine VPIP daraus wäre Rauschen mit Nachkommastellen.

9Formelsammlung — wie unsere Apps rechnen

Wo eine allgemeine Definition mehrere Lesarten zulässt, gilt die hier.

GrößeFormel in den AppsBesonderheit
Benötigte EquityCall ÷ (gewinnbarer Pot + Call) Der Hero-Stack deckelt den Call; ein ungecallter Rest des Gegners fällt aus dem gewinnbaren Pot heraus.
MDFPot ÷ (Pot + Bet)
AlphaBet ÷ (Pot + Bet)MDF + Alpha = 100 %, geprüft.
SPRReststack ÷ Pot Gegen den Reststack am Streetbeginn, nicht gegen den Startstack.
MStack ÷ (SB + BB + Ante) Identisch zu M//ZONE; per Testlauf über 1.200 Fälle gekoppelt.
QStack ÷ Durchschnittsstack Ohne Durchschnittsstack bleibt Q offen — es wird keine 0 gezeigt.
ICM-DruckBE(ICM) − BE(Chips)in Prozentpunkten
Combos je KlassePaar 6 · suited 4 · offsuit 12 Summe 1.326
Gewichtete RangeΣ (Combos × Frequenz) Ein mr:50 zählt mit 0,5. Combo-Zahl und Prozentwert stammen aus derselben Summe.
Eine Null bedeutet nie „keine Angabe". Das ist die Regel, die sich über alle Apps zieht und aus vier gefundenen Fehlern derselben Art entstanden ist. Wo etwas nicht berechenbar ist, steht ein Hinweis — keine 0, die wie ein Messwert aussieht. Eine echte Null bleibt möglich: Eine tote Hand am River hat wirklich 0 % Equity.

10Quellen und Abgrenzung

Alle App-Texte in diesem Dokument sind wörtlich aus dem Quellcode entnommen — aus bdnlh_findings.js, bdnlh_app.php, bdnlh_range.js, apps/icm/src/app.php und Baumeister-Poker-Range-Ref.html. Sie sind damit prüfbar und altern mit dem Code, nicht mit diesem Dokument.

Die Fachbegriffe sind etablierte Poker-Theorie und in jedem seriösen Lehrmaterial gleichlautend definiert; externe Quellen waren dafür nicht nötig. Wo eine allgemeine Definition mehrere Lesarten zulässt — etwa der SPR gegen Start- oder Reststack, oder die Break-Even-Equity unter ICM gegenüber der reinen Chip-Rechnung —, steht in Abschnitt 9 ausdrücklich die Variante, die unsere Apps verwenden.

Zum Weiterlesen für die theoretische Tiefe, insbesondere zu MDF, Alpha und Range-Konstruktion: blog.gtowizard.com. Von dort ist nichts übernommen; die Angabe dient der Vertiefung.